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Olivia de Havilland: Die letzte Legende von Hollywoods goldener Ära

Ihre «Vom Winde verweht»-Kollegen Clark Gable und Vivian Leigh hat sie um Jahrzehnte überlebt. Nun ist die Oscar-Preisträgerin mit 104 Jahren gestorben. Von Barbara Munker

Die Schauspielerin Olivia de Havilland im Jahre 1953. (Foto: Pa/PA Wire/dpa)

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livia de Havilland hat ihre Leinwandpartner aus dem Südstaatenepos «Vom Winde verweht» aus dem Jahr 1939 lange überlebt. Clark Gable alias Rhett Butler starb 1960, gerade 59 Jahre alt. Vivian Leigh, die die schöne Scarlett O’Hara spielte, war 53, als sie 1967 leblos neben ihrem Bett gefunden wurde. Leslie Howard, im Film der Gatte der klugen und tugendhaften Melanie Hamilton (de Havilland), kam schon im Zweiten Weltkrieg ums Leben.

Mit 104 Jahren (geboren am 1. Juli 1916) ist nun die zweifache Oscar-Preisträgerin de Havilland in Paris gestorben, wie ihre Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Filmlegende lebte bereits seit vielen Jahren in der französischen Hauptstadt. 1955 hatte sie in zweiter Ehe den französischen Schriftsteller und Journalisten Pierre Galante (1909-1998) geheiratet und Hollywood den Rücken gekehrt.

Integrität war ihr wichtig

Bis ins hohe Alter war de Havilland kämpferisch. Einen Tag vor ihrem 101. Geburtstag zog sie in Los Angeles im Streit um die TV-Serie «Feud» noch vor Gericht. Die im Stil einer Pseudo-Dokumentation gedrehte Serie handelte von der langjährigen Rivalität der beiden Hollywood-Diven Joan Crawford und Bette Davis, de Havilland wurde von Catherine Zeta-Jones dargestellt.

Sie sei immer um Integrität und Würde bemüht gewesen. Klatsch und Lügen habe sie abgelehnt. In der Serie jedoch würden ihr in einem erfundenen Interview falsche Aussagen in den Mund gelegt. Ihr guter Ruf werde dadurch geschädigt, machte die Schauspielerin, die mit 100 Jahren von der britischen Queen zur «Dame» geadelt wurde, in der Klage geltend. Doch im März 2018 erlitt sie vor einem Berufungsgericht in Los Angeles eine Niederlage.

Steile Karriere in der Traumfabrik

De Havilland hatte einen Traumstart in Hollywood. Als Kind britischer Eltern – ein Anwalt und eine Schauspielerin – in Tokio geboren, kam sie noch als Kleinkind nach Kalifornien. Der österreichische Theatermann Max Reinhardt entdeckte sie 19-jährig in der Rolle der Hermia in Shakespeares «Sommernachtstraum». Das Filmstudio Warner Brothers nahm sie gleich für sieben Jahre unter Vertrag und brachte sie an der Seite von Errol Flynn groß heraus.

Acht Filme drehte sie mit dem Herzensbrecher, darunter die Abenteuerschinken «Der Verrat des Surat Khan» und «Robin Hood, König der Vagabunden». Auf der Leinwand knisterte es heftig, doch allen Gerüchten zum Trotz seien sie nie ein Liebespaar gewesen, beteuerte die Schauspielerin.

In einem ihrer seltenen Interviews schaute sie 2015 auf «Vom Winde verweht» zurück. Sie denke gerne an das Südstaatendrama, das sie «etwa 30 Mal» gesehen habe, und an ihre Co-Stars, erzählte sie dem US-Magazin «Entertainment Weekly». Mit dem Film verband sie aber auch eine bittere Enttäuschung. In der Oscar-Nacht 1940 wurde das Kostüm-Epos mit acht Trophäen ausgezeichnet, sie ging als Nebendarstellerin jedoch leer aus. In dieser Sparte gewann die schwarze Darstellerin Hattie McDaniel in der Rolle einer Haushälterin.

Doch den Verlust machte De Havilland später wett. 1946 gewann sie ihren ersten Oscar in der Hauptrolle von «To Each His Own». Das Drama um eine ledige Mutter lief in Deutschland unter dem Titel «Mutterherz». Drei Jahre später kam die Auszeichnung als beste Schauspielerin in William Wylers Rachedrama «Die Erbin».

Schattenseiten des Erfolgs

Der frühe Ruhm in Hollywood hatte seinen Preis. Der Zeitschrift «Vanity Fair» vertraute de Havilland im Jahr 2016 an, dass sie damals «keine richtigen Freunde» hatte und unter dem harten Wettbewerb litt.

Zugleich sorgte die bittere Fehde mit ihrer Schwester Joan Fontaine für Schlagzeilen. Der Streit vertiefte sich, als beide 1942 für einen Oscar nominiert wurden und die jüngere Joan für ihre Rolle in dem Hitchcock-Thriller «Verdacht» gewann. In ihrer 1978 erschienenen Autobiografie «No Bed Of Roses» schrieb Fontaine, dass die beiden einander schon als Kinder nicht mochten. Da herrschte zwischen den Schwestern schon lange Funkstille.

De Havilland wies das in dem «Vanity Fair»-Interview vehement zurück. «Ich habe sie als Kind so sehr geliebt», meint die ältere der Schwestern. Doch mehr sagte sie nicht über den Bruch. Fontaine war 2013 mit 96 Jahren im kalifornischen Carmel gestorben.

Schlagzeilen machte de Havilland auch mit ihrem Feldzug gegen die Macht der Filmstudios. Anfang der 1940er Jahre prozessierte sie erfolgreich gegen Warner Bros., um sich aus einem langjährigen Vertrag zu befreien.

Bis zuletzt in der Öffentlichkeit

Ihre letzten großen Auftritte hatte sie als neurotische Exzentrikerin in «Der schwarze Spiegel» (1946), in der Romanverfilmung «Meine Cousine Rachel» (1952) und mit ihrer langjährigen Freundin Bette Davis in dem Psychothriller «Wiegenlied für eine Leiche» (1964).

Auch im hohen Alter, das man de Havilland kaum ansah, zeigte sich der Hollywood-Star noch in der Öffentlichkeit. 2003 flog sie zum 75. Jubiläum der Oscar-Verleihung nach Los Angeles und sprach auf der Bühne über ihre große Liebe für den Film. 2008 nahm die Schauspielerin vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush die hohe Auszeichnung National Medal for the Arts entgegen. 2009 vertonte sie einen Dokumentarfilm über Alzheimer-Therapien.

Ihre Langlebigkeit schrieb sie laut «Vanity Fair» den drei L-Worten «Liebe, Lachen und Licht» zu. Wie die zweifache Mutter «Entertainment Weekly» vor ihrem 100. Geburtstag verriet, konnte sie ihr rundes Jubiläum kaum erwarten.

«Die Vorstellung, ein ganzes Jahrhundert zu leben, gefällt mir sehr. Stellen sie sich das einmal vor. Was für eine Leistung.»

Trauerportal.de (dpa)
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Olivia de Havilland

* 1. Juli 1916 in Tokio (Japan)

† 26. Juli 2020 in Paris (Frankreich)

104 Jahre

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